Das schwarzweiße bild der jungen Clara

premiere am 12.12.2019

MusikInstrumentenMuseum der Universität Leipzig

Text und Schauspiel: Julia Dieckhoff
Regie, Ton und Technik: Fojan Gharibnejad

Clara Wieck gilt heute als eine der berühmtesten weiblichen Pianistinnen des 19. Jahrhunderts. Ihr Talent wird nicht nur in frühester Kindheit ersichtlich, sondern auch stark gefördert: Clara wird als Tochter des Theologen und Klavierpädagogen Friedrich Wieck geboren. Im Alter von fünf Jahren erhält sie Klavierunterricht bei ihrem strengen und dominanten Vater und wächst unter dessen hohen Erwartungen auf. Es scheint daher nicht verwunderlich, dass ihm viel daran lag, das außerordentliche Talent seiner Tochter bekannt zu machen, viel mehr noch sie als Leipziger Wunderkind und Klaviervirtuosin auch international zu etablieren. Anlässlich des 200. Geburtstages stellen Julia Dieckhoff und Fojan Gharibnejad in feinfühliger und tiefgründiger Weise die Persönlichkeit der Clara Wieck, die von emotionaler Zerrissenheit geprägt ist, in den Fokus ihres Theaterstücks. Clara wächst in einer Zeit auf, in der es alles andere als leicht ist, als alleinstehende Frau und Künstlerin in der Öffentlichkeit zu stehen. Als sie Robert Schumann kennenlernt, scheint der Wunsch nach Unabhängigkeit und Losgelöstheit vom Vater endlich Realität zu werden. Doch Friedrich Wieck stellt sich gegen seine Tochter und die Heiratspläne der beiden. Dies scheint Claras Drang, sich aus den strengen Fängen ihres Vaters zu befreien, immer vehementer und dringlicher zu machen - selbst ihre Kunst und ihr Schaffen treten hinter die Erfüllung dessen. Wenngleich empfindet sie ihrem Vater als Förderer und Mäzen eine starke Dankbarkeit gegenüber. Das Aufeinandertreffen dieser scheinbar unvereinbaren und widersprüchlichen Gefühle münden in einem tiefen inneren Konflikt. Das auf den Aufzeichnungen der jungen Clara Wieck beruhende Theaterstück wirft einen ganz besonderen Blick auf die junge Pianistin, das sowohl die Verhängnisse jener Zeit in Kontext setzt als auch ihre Person zu greifen versucht.

 

 

© Leonie Mangold